ARTHROPATHIE
chronische Arthropathia

Arthropathie (lat.: Arthropathia) bezeichnet eine Gelen kerkrankung, die sehr verschiedene Ursachen haben kann.

Gelen ke haben die Aufgabe, Knoc hen untereinander beweglich zu verbinden.

Man unterscheidet:

  1. "unechte" Gelen ke (Synarthrosen) und

  2. "echte" Gelen ke (Diarthrosen)

Bei den unechten Gelen ken sind zwei Knoc hen lediglich über ein bestimmtes Füllmaterial miteinander verbunden. Der Bewegungsumfang ist gering.
Beispiel: Bandscheiben verbinden die Wirbelkörper miteinander

Ein echtes Gelen k zeichnet sich dadurch aus, daß die Knoc hen durch einen Gelenkspalt voneinander getrennt sind.
In unserem Körper befinden sich verschiedene Gelenktypen. Alle besitzen jedoch folgende Strukturen:

Wenn Sie genaueres über den Aufbau der Gelen ke erfahren möchten, so können wir Ihnen diese Internetadresse empfehlen: http://www.medizinfo.de/rheuma/anatomie/gelenke.htm

Nun aber zum eigentlichen Thema "Arthropathie"

Eine Arthropathie (Arthropathia) betrifft hauptsächlich den Knorpel und die Membrana Synovialis (= die Innenhaut der Gelenkkapsel), mit sekundär (= nachfolgenden) entzündlichen und nichtentzündlichen Vorgängen.

Man unterscheidet (chronische) Arthropathie n nach ihren Ursachen:
(modif. nach Roche)

  1. Metabolische (= stoffwechselbedingte) Arthropathie infolge
        a) Hyperurikämie (= erhöhter Harnsäuregehalt des Blutes), es kommt zur Arthri tis u rica (Gichtarthritis
        b) Xanthomatose (= kleine, gutartige Tumore bei Fettstoffwechselstörungen), hpts. El lenbogen-, Kniegelen ke
        c) Chondrokalzinose (= relativ seltene Krankheit mit Verkalkungen des Gelenkknorpels)
       
    d) Hämochromatose (= Eisenspeicherkrankheit infolge Eisenüberladung des Organismus, auch der Gelen ke)

  2. Endokrine (= durch Funktionsstörung von Drüsen verursachte) Arthropathie infolge
        a) Hypothyreose (= Unterfunktion bis hin zu Funktionsausfall der Schilddrüse)
        b) Diabetes mellitus (= Zuckerkrankheit)

  3. Koagulopathische (= durch eine Störung der Blutgerinnung hervorgerufene) Arthropathie infolge
        Einblutung ins Gelen k

  4. Hämatologisch (= aufgrund von Blutkrankheiten) bedingte Arthropathie (Arthropathia) infolge 
        a) Leukosen (= bösartige Umwandlung/ Entartung blutbildender Zellen)
        b) Sichelzellanämie (= Blutarmut mit Bildung von sog. Sichelzellen bei krankhaft verändertem Blutfarbstoff)

  5. Neurologisch (= Nervensystem-) bedingte Arthropathie
        a)
    Syringomyelie (= eine Erkrankung des Rückenmarks)
        b) Lepra (= eine schleichend beginnende, tropische und subtropische ansteckende Krankheit)

  6. Degenerativ (= die Abnutzung betreffende) bedingte Arthropathie, hpts. Arthrose

  7. Rheumatisch bedingte Arthropathie, z.B. die rheumatoide Arthri tis

  8. Infektiös bedingte Arthropathie: a) z.B. direkte infek tiöse Art hritis (= infektiöse Gelenkentzündung), meist bakteriell, seltener vi ral und b) reak tive (infek treaktive) Gelen kentzündungen

Nicht selten verbleiben trotz einer kausalen (= auf die Ursache gerichteten) fachärztlichen Behandlung aufgrund einer Arthropathie weiterhin Schmerzen (chronische Arthropathia), so daß dann schmerztherapeutische Behandlungsmethoden gefragt sind. Oft sind diese bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen, da sie sich nach dem Schmerz und seiner Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach seiner Ursache richten. Eine länger bestehende, schmerzhafte Arthropathie erfordert praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren, die i.d.R. nur in spezialisierte Zentren (Schmerzklinik) angeboten werden können. Bei einer schmerzhafte n Arthropathie sind dies: 

  1. Information über die Erkrankung

  2. Medikamentöse Behandlung (u.a. Analgetika, schmerzlindernde Psychopharmaka, auch als Infusionen, individuell ausgetestet)

  3. Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form von Infiltrationen und Nervenblockaden, evtl. rückenmarknahe Blockaden, auch kontinuierlich mit Katheter

  4. Akupunktur

  5. Krankengymnastik und andere Anwendungen zum Erhalt der Gelenkfunktion bzw. -verbesserung

  6. Evtl. Magnetfeldtherapie

  7. Evtl. TENS-Therapie (schmerzlindernde elektrische Ströme, die von einem kleinen tragbaren Gerät abgegeben werden)

Medikamentöse Behandlung bei schmerzhafter Arthropathie (Arthropathia):

Akut und subakut können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheumamittel), aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®. Besonders magenschonend und ebenfalls entzündungshemmend sind die  sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Celecoxib (Celebrex ®) oder Valdecoxib (Bextra®).

Bei schmerzhafte r Arthropathie (Arthropathia) hat sich insbesondere die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) sehr bewährt, und zwar in Form von kontinuierlichen Nervenblockaden mittels eingepflanztem Katheter. Eine wichtige Nebenwirkung dieser Therapie ist eine begleitende Symphatikolyse (= Erweiterung der Blutgefäße), denn unter einer guten Durchblutung heilen z.B. entzündliche Prozesse sicher ab. Hinzu kommt die überaus wichtige Tatsache, daß bei einer verbesserten, lokalen (= örtlichen) Durchblutung auch spezifische Medikamente (im Falle der in fektiösen Arthri tis Antibiotika, evtl. antivi  rale Substanzen oder auch Antimykotica (= Mittel gegen Pilze)) viel besser und effektiver wirken können. Eine gute Durchblutung wirkt auch degenerativen (= abnutzungsbedingten) Prozessen nachhaltig entgegen.

Daß Lokalanästhetika (= örtliche Betäubungsmittel) auch entzündungshemmend wirken, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, so klicken Sie hier.

Methodenbeschreibung "Kontinuierliche (repetitive) Nervenblockaden mit Katheter":

  1. Nervus femoralis (vorderer Oberschenkelnerv): Bei dieser Methode suchen wir von der Vorderseite des Oberschenkels her, handbreit unterhalb des Leistenbandes mit einer Kanüle in der Tiefe den Oberschenkelnerv auf und legen in die Nervenscheide (Gewebsumhüllung des Nerven) einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) ein. In den nächsten 2-3 Wochen spritzen wir dann mehrmals täglich eine verdünnte örtliche Betäubungsmittellösung ein. Dabei wählen wir die Konzentration des Wirkstoffes so, daß die grobe Kraft und damit die Beweglichkeit erhalten bleibt, aber die Schmerzempfindlichkeit deutlich herabgesetzt oder gar aufgehoben ist.
    Anwendungsbereiche
    :
    Kniegelen k und z.T. oberes Sprunggelen k

  2. Gegen Schmerzen im ftgelenk kann vorgenannte Methode verändert angewendet werden (der sog. 3 in 1-Block oder die Pl exus lumbal is-Blockade): Wenn man die Menge der örtlichen Betäubungsmittellösung erhöht (ca. 25-35 ml) und während des Einspritzens den Oberschen kel abstaut, wird die Wirkstofflösung nach oben getrieben (innerhalb der Nervenscheide) und betäubt weitere Ner ven, die die genannten Körpergebiete versorgen.

  3. N. isch iadicus: Bei dieser Methode suchen wir von der Oberschenkelrückseite her, handbreit unter dem Gesä ß, den Ischiasnerv in der Tiefe mit einer Kanüle auf und legen einen dünnen Kunststoffschlauch in die zugehörige Nervenscheide (Gewebsumhüllung) ein. In den folgenden 2-3 Wochen wird dann in diesen Schlauch mehrmals täglich eine verdünnte, örtliche Betäubungsmittellösung eingespritzt. Je nach Wirkstoffkonzentration kommt es dann im Versorgungsgebiet des Nerven zu einer Verminderung der Schmerzempfindlichkeit bis hin zur Schmerzfreiheit.
    Anwendungsbereiche:
    Gelen ke im Fu
    ßbereich

  4. Plexus brachialis: Die Einpflanzung des Katheters erfolgt nahe der Achselhöhle am inneren Obera rm oder im seitlichen unteren Halsbereich (der sog. interskalenäre Zugang).
    Anwendungsbereiche: El len bogen- und Han dgelenke (auch Fin
    ger), in der sog. retrograd hohen Variante oder beim interskalenären Zugang auch das Schu ltergelenk.

Wenn chronische Schmerzen aufgrund einer Arthropathie längerfristig bestehen, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Ergänzende Dateien:
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